Wer im Ausland surft, bucht sich nicht ins Netz des eigenen Anbieters ein, sondern in ein lokales Mobilfunknetz: den Roaming-Partner. Das gilt für den klassischen Handytarif genauso wie für Reise-eSIMs. Welche Netze deine eSIM im Ausland nutzt, wie du das Partnernetz findest und wechselst und welche Regeln beim EU-Roaming gelten, zeigt dieser Ratgeber.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine eSIM nutzt im Ausland automatisch ein lokales Partnernetz, meist das mit dem stärksten Signal
- eSIM-Anbieter wie Airalo, Holafly oder Saily betreiben keine eigenen Netze, sie kaufen Datenvolumen bei lokalen Netzbetreibern ein
- In Italien sind das etwa TIM, Vodafone Italia, WindTre und Iliad, in Thailand in der Regel AIS und True
- Das aktive Partnernetz findest du in der Netzauswahl deines Handys, wechseln kannst du es dort meist manuell
- EU-Roaming (Roam like at home) gilt in 30 Ländern, hat aber Fair-Use-Grenzen; Reise-eSIMs sind davon unabhängig
Kurzantwort: Deine eSIM wählt das Partnernetz automatisch
Die kurze Antwort: Deine eSIM sucht sich beim Einschalten selbst ein verfügbares Partnernetz, in der Regel das mit dem stärksten Signal. Du musst nichts einstellen. In den meisten Fällen kannst du das Netz aber auch von Hand wählen, über die manuelle Netzauswahl in den Handy-Einstellungen. Dabei erscheinen nur die Netze, mit denen dein eSIM-Anbieter Roaming-Verträge hat.
Wie die eSIM technisch funktioniert und warum sie ohne Karte auskommt, erklärt der Ratgeber Wie funktioniert eine eSIM?.
Welche Netze nutzen eSIM-Anbieter?
Reise-eSIM-Anbieter wie Airalo, Holafly oder Saily betreiben keine eigenen Mobilfunknetze. Sie kaufen Datenvolumen im Großhandel bei lokalen Netzbetreibern ein, oft über Vermittler, sogenannte Roaming-Hubs, und verkaufen es als Datenpaket. Welches Netz deine eSIM nutzt, hängt deshalb vom Zielland und von den Verträgen des Anbieters ab. In der Regel sind es die großen Netze mit guter Abdeckung, häufig mehrere gleichzeitig: Das Handy wählt automatisch das gerade beste.
Italien ist ein gutes Beispiel. Das Land hat vier Mobilfunknetze: TIM, Vodafone Italia, WindTre und Iliad. Die gängigen eSIM-Anbieter decken davon jeweils mehrere ab: Holafly nutzt in Italien in der Regel TIM, Vodafone Italia und WindTre, Saily TIM, WindTre und Iliad, Airalo wählt je nach Region und Empfang zwischen mehreren Netzen. TIM und Vodafone Italia gelten als die Netze mit der besten Flächenabdeckung, auch in ländlichen Gegenden und auf Sizilien und Sardinien. In den Städten sind die Unterschiede zwischen den Netzen für dich kaum spürbar. Die genauen Netze für dein Urlaubsland findest du im Ratgeber eSIM für Italien.
In Thailand sind es in der Regel AIS oder True, zu dem seit der Fusion 2022 auch das frühere DTAC-Netz gehört. Auch dort gilt: In den Touristengebieten funktionieren beide zuverlässig.
Auch bei den heimischen Anbietern funktioniert das Prinzip gleich: Telekom, Vodafone und o2 schließen je Land feste Roaming-Partnerschaften ab, häufig mit der Konzern-Schwester. Vodafone-Kunden buchen sich in Italien etwa automatisch ins Netz von Vodafone Italia ein. Welche Partnernetze dein Tarif nutzt, listen die Anbieter in ihren Roaming-Informationen.
Welches Netz dein Anbieter in deinem Zielland nutzt, nennen die meisten auf ihrer Produktseite oder in der App. Falls nicht, hilft ein Blick in die Netzliste deines Handys: Bei der manuellen Netzauswahl erscheinen nur die Netze, mit denen dein Anbieter zusammenarbeitet.
So findest du dein aktuelles Partnernetz
Auf dem iPhone: Einstellungen → Mobilfunk → Netzauswahl. Ist die automatische Auswahl aktiv, steht dort nur der Eintrag "Automatisch". Schaltest du sie ab, sucht das iPhone nach verfügbaren Netzen und listet sie auf, das aktuell verbundene ist markiert.
Auf Android: Je nach Hersteller unter Einstellungen → Netzwerk & Internet → Mobilfunknetz → Netzbetreiber, bei Samsung unter Einstellungen → Verbindungen → Mobile Netzwerke → Netzbetreiber. Auch hier deaktivierst du zuerst die automatische Auswahl, dann erscheint die Netzliste.
Damit überhaupt ein Partnernetz erscheint, muss die eSIM installiert und aktiviert sein. Die Schritte dazu zeigt die Anleitung eSIM einrichten und aktivieren. Zusätzlich muss Daten-Roaming für die eSIM-Leitung eingeschaltet sein, sonst bucht sich das Handy im Ausland nicht ein.
Manuelle Netzauswahl: Wann sinnvoll, wann riskant
Sinnvoll ist die manuelle Auswahl, wenn du trotz eSIM keinen Empfang hast: Automatische Auswahl deaktivieren, ein anderes Netz antippen, kurz warten. Oft hilft auch ein kurzer Wechsel in den Flugmodus und zurück, damit das Handy neu sucht.
Riskant wird es, wenn du ein Netz wählst, das dein Anbieter nicht als Roaming-Partner hat: Dann bleibt die Verbindung aus, und dein Datenpaket nützt dir nichts. Das passiert schnell, wenn die Netzliste Namen zeigt, die du nicht kennst. Ein Sonderfall ist die See: Kreuzfahrtschiffe betreiben eigene Satelliten-Mobilfunknetze, in die sich Handys automatisch einbuchen, sobald das Landnetz abbricht. Wer dort bleibt, zahlt im Extremfall bis zu 28 € pro Megabyte. Die manuelle Auswahl auf ein Landnetz oder gleich der Flugmodus verhindern das. Was auf Kreuzfahrten sonst noch zu beachten ist, steht im Ratgeber eSIM auf Kreuzfahrten.
Nach der manuellen Auswahl solltest du zurück zur automatischen Netzauswahl wechseln, sobald du wieder in einem Gebiet mit gutem Empfang bist. Das Handy wählt dann selbst wieder das beste verfügbare Partnernetz.
EU-Roaming und Fair Use: Diese Regeln gelten
Seit Juni 2017 gilt in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum Roam like at home: Du nutzt deinen Heimtarif in allen 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen zu den Inlandskonditionen. Die Verordnung (EU) 2022/612 regelt das bis mindestens Juni 2032. Nicht Teil der Regelung sind die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die Türkei. Für Reisende aus der Schweiz heißt das umgekehrt: Schweizer Netze sind nicht in der EU-Regelung, Roaming in der EU ist dort meist nur mit kostenpflichtigem Zusatzpaket günstig.
Roam like at home bedeutet nicht grenzenlos. Zwei Fair-Use-Regeln begrenzen es:
- Datenvolumen: Bei sehr günstigen Tarifen darf der Anbieter ein Fair-Use-Volumen festlegen. Es muss mindestens doppelt so hoch sein wie das Volumen, das du für deinen Tarifpreis zum Großhandelssatz bekommen würdest (Tarifpreis ohne MwSt. geteilt durch den Großhandelssatz, mal zwei). Überschreitest du die Grenze, kostet der Aufschlag höchstens den Großhandelssatz: 1,30 € pro GB im Jahr 2025, ab 2027 höchstens 1 € pro GB (plus MwSt.).
- Dauer: Dein Anbieter darf deine Roaming-Nutzung über vier Monate prüfen. Bist du in diesem Zeitraum mehr im Ausland als zu Hause und verbrauchst dabei dauerhaft mehr als im Inland, darf er dich zur Klärung auffordern und danach Aufschläge berechnen. Wer nur gelegentlich verreist, ist von dieser Regel praktisch nie betroffen.
Viele Anbieter drosseln statt Aufschlag die Geschwindigkeit oder sperren die Daten nach Erreichen der Grenze. Eine automatische Kostenbremse schützt zusätzlich vor unerwarteten Rechnungen: Bei 50 € zusätzlichen Roaming-Kosten stoppt die Datennutzung, du kannst den Grenzwert selbst anpassen.
Reise-eSIMs sind von diesen Regeln unabhängig. Du kaufst ein Datenpaket, das direkt im Zielland gilt; die Fair-Use-Grenzen und Aufschläge deines Heimtarifs spielen dabei keine Rolle. Das macht eSIMs besonders interessant außerhalb der EU und für Tarife mit kleiner Fair-Use-Grenze.
Roaming-Tarif des Heim-Anbieters vs. eSIM
Innerhalb der EU ist dein Heimtarif mit Roam like at home oft die einfachste und günstigste Lösung, solange deine Fair-Use-Grenze für die Reise reicht. Wer viel Datenvolumen braucht, mehrere Geräte nutzt oder in Nicht-EU-Länder reist, ist mit einer Reise-eSIM meist besser beraten: feste Datenmenge, fester Preis, keine Aufschläge und keine Drosselung.
Außerhalb der EU wird klassisches Roaming schnell teuer. Ohne Zusatzpaket kostet es je nach Anbieter mehrere Euro pro Megabyte, ein einzelnes Urlaubsfoto kann dann schon teuer werden. Wie sich Roaming, eSIM und lokale SIM-Karte im Kostenvergleich schlagen, zeigt der Ratgeber eSIM im Ausland: Roaming, eSIM oder lokale SIM?.
Fazit
Deine eSIM nutzt im Ausland automatisch lokale Partnernetze. Welches gerade aktiv ist, siehst du in der Netzauswahl deines Handys, wechseln kannst du es dort meist manuell. Die EU-Fair-Use-Regeln betreffen deinen Heimtarif, nicht dein eSIM-Paket. Welcher Anbieter für dein Reiseziel am besten passt, zeigt der große eSIM-Vergleich.
Häufige Fragen
Was ist ein Roaming-Partner überhaupt?
Ein Roaming-Partner ist ein lokales Mobilfunknetz, über das sich dein Handy im Ausland verbindet, weil dein Anbieter dort kein eigenes Netz betreibt. Die Zusammenarbeit regelt ein Roaming-Vertrag zwischen den Netzbetreibern. Dein Handy wählt automatisch einen der Partnernetze mit dem stärksten Signal.
Kann ich das Netz wechseln, wenn ich keinen Empfang habe?
Ja, über die manuelle Netzauswahl: Auf dem iPhone unter Einstellungen → Mobilfunk → Netzauswahl, auf Android unter Einstellungen → Netzwerk & Internet → Mobilfunknetz → Netzbetreiber. Deaktiviere die automatische Auswahl und tippe ein anderes Netz an. Es erscheinen nur Netze, mit denen dein Anbieter Roaming-Verträge hat.
Welche Netze nutzt meine eSIM in Italien?
Italien hat vier Mobilfunknetze: TIM, Vodafone Italia, WindTre und Iliad. Holafly nutzt in der Regel TIM, Vodafone Italia und WindTre, Saily TIM, WindTre und Iliad, Airalo wählt je nach Region und Empfang zwischen mehreren Netzen. TIM und Vodafone Italia haben die beste Flächenabdeckung.
Warum zeigt mein Handy einen anderen Netzbetreiber als erwartet?
Reise-eSIMs sind Datenpakete, keine eigenen Netze. Der angezeigte Name ist immer das lokale Partnernetz, in das sich dein Handy eingebucht hat. Je nach Standort wechselt es zwischen den Partnernetzen des Anbieters, ohne dass du etwas tun musst. Der Netzname hat keinen Einfluss auf dein Datenpaket oder den Preis.
Stand August 2026. Netz-Zuordnungen und EU-Regelungen können sich ändern; die verbindliche Auskunft für dein Reiseziel geben der eSIM-Anbieter und dein Heimtarif.
